
Gemälde: Waltraud Gossel (Ausschnitt)
Wissenschaft: Empirie. Theorie. Methoden. Verfahren. Technologien. Zweifel. Kritik. Debatte.
Hans-Peter Schwöbel
„Wenn–Dann“ ist nicht nur ein Entscheidungsmuster, sondern auch ein Grundmuster wissenschaftlicher Hypothesen. Mit Wenn-Dann können wir von Bedingungen auf Folgen, bzw. von Ursachen auf Wirkungen schließen. Dies nennt man Prognose. Und wir können von Folgen (Befunden, Wirkungen) auf Bedingungen (Ursachen) schließen. Das nennt man Diagnose. Prognosen und Diagnosen helfen uns, Zusammenhänge zu verstehen und Entscheidungen rational zu treffen.
Eine andere Formel wissenschaftlicher Hypothese lautet: „Je – desto.“ Hinter „Je“ formulieren wir die Bedingungen. Hinter „desto“ die Folgen. Diese Zusammenhänge, ob Prognose oder Diagnose, werden als Wahrscheinlichkeiten erfasst. Was die Welt im Innersten zusammenhält, ist die Wahrscheinlichkeit!
Sich nach diesen Mustern in Theoriebildung zu üben, wäre ein wichtiges Training für den Anspruch „… Follow the science …“. Prüfstein ist nicht die Bestätigung einer Annahme (These), sondern der Versuch, sie zu widerlegen (Falsifikation). Eine Aussage gilt so lange als wahr, solange sie nicht widerlegt werden kann.
Die Frage nach wissenschaftlich fundiertem Erkennen wird nicht durch angeblich sichere Ergebnisse beantwortet, sondern durch Methoden, Verfahren und Techniken, durch qualifizierte Empirie und durch leistungsfähige Theorie. Durch Zweifel. Durch Kritik. Durch unaufhörliche wissenschaftliche Debatte. Nicht das Resultat belegt seine eigene Wissenschaftlichkeit, sondern die Art und Weise, wie es zustande kommt, verteidigt und gegebenenfalls aufgegeben wird.
Diese Aspekte wissenschaftlicher Qualität kann man nicht mit Parolen und Sprüchen erzeugen. Wissenschaft als Prozess ist anspruchsvoll und mühsam, aber sehr befriedigend und hilfreich für Problemlösungen und selbst gesteuerte Aufklärung. Nur so können wir die Spreu vom Weizen trennen, das Geplappere vom analytischen Geist.
Der Schwöbel-BLOG am Samstag, 19.09.2026










