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Gemälde: Waltraud Gossel (Ausschnitt)
Wer oder was denkt in mir?
Hans-Peter Schwöbel
„Habe Mut, Dich Deines eigenen Verstandes zu bedienen.“ (Immanuel Kant) „Sapere aude!“ - Wage, weise zu sein! (Horaz, 20 v. Chr.)
Horaz zitiere ich, um daran zu erinnern, dass die Grundfragen der Aufklärung schon Denker der Antike beschäftigt haben. Auch Horaz war sicher nicht der erste. Nichts spricht dagegen, dass nicht nur Philosophen diese Gedanken in sich und mit ihren Denkkumpeln bearbeitet haben, sondern auch viele sogenannte einfache Menschen. Nach meiner Erfahrung sind Philosophen, Wissenschaftler und Künstler umso bereichernder für ihre Mitmenschen und ihre Kultur, je mehr sie selbst auch einfache Menschen sind.
Wie viele wuchtige Sätze in der Geistesgeschichte des Menschen, haben Kants und Horaz‘ Sätze das Zeug zur Leerformel. Das macht sie nicht obsolet. Aber, es macht unseren Umgang mit ihnen anspruchsvoll; denn, wie kann ich sicher wissen, dass ich mich meines eigenen Verstandes bediene, und nicht ein kleiner Mann in meinem Ohr sitzt, der mir etwas einflüstert, incl. der Vorstellung, er sei mein eigener Verstand?
Sicher wissen, kann ich es sicher nicht. Wie ich schon oft betont habe, sind wir Menschen wahrheitsfähig, im Sinne der Übereinstimmung einer Aussage mit der Realität. Aber wir haben keine Gewissheit. Das gilt auch im Umgang mit mir selbst. Ich kann wahre Annahmen über mich und meine Eigenschaften bilden, kann mir ihrer aber nicht sicher sein. Daran ist nichts schlimm, menschliches Bewusstsein funktioniert so. Sich dessen gewahr zu sein, ist ein erster Schutz gegen den Wahn der Selbstgewissheit und des Totalitären.
In weiteren Der Schwöbel-Blog am Samstag werde ich diese Themen vertiefen.
Der Schwöbel-BLOG am Samstag, 01.08.2026








