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High Speed. Wir starten ins neue Jahr. Das neue Jahr startet in uns…
Fotos: Hans-Peter Schwöbel
Hinten die Nase vorn?
Hans-Peter Schwöbel
Haben Sie das neue Jahr gut begonnen? Das ist schon falsch gefragt! Das neue Jahr beginnt nicht und wir beginnen nicht das neue Jahr. Das neue Jahr startet. Wir starten ins neue Jahr. Das neue Jahr startet in uns. Dabei geben wir Gas und blicken nach vorn...
Vorne ist es zappenduster, aber das ist nicht schlimm. Würden wir etwas sehen, würden wir vielleicht etwas verstehen... Soweit wollen wir es nicht kommen lassen! Bevor wir zu denken beginnen, oder ES anfängt in uns zu denken, starten wir durch, geben Gas und haben die Nase vorn.
Apropos ‚die Nase vorn haben’. Das Bild macht mich noch fertiger als das ewige ‚Starten’. Immer, wenn es heißt, dieser oder jene „hat die Nase vorn“, renne ich zum Spiegel und stelle fest: Ich habe ja auch die Nase vorn. Dann drehe ich Pirouetten, schau nochmal in den Spiegel: Meine Nase ist immer noch vorne. Mir fällt ein Stein vom Herzen.
Aber, es muss doch auch Menschen geben, die die Nase hinten haben, sonst würde man das doch nicht so betonen, wenn einer die Nase vorne hat. Vor Wahlen wird oft gefragt, „Wer wohl am Ende die Nase vorn hat?“ Wer also hinten die Nase vorne hat. Ewiges Rätsel Zeit: Hat der 1. Januar die Nase vorn oder am Ende der 31. Dezember?
Gerade will ich mich damit abfinden, wieder einmal etwas nicht zu verstehen, fallen mir zwei erleuchtende Bauernregeln ein. In der einen heißt es: „Wenn Schnee und Eis die Straßen glätten, dann ist es Winter – wolln wir wetten!“ Und die zweite Regel, die endlich den Frühling ankündigt, lautet: „Wenn sich die Hunde schnuppern an den Hintern, dann hört es auf zu wintern.“ Da fällt bei mir der Groschen.
Wenn im Frühjahr zwei Hunde sich begrüßen, ist alles klar. Hunde haben die Nase nicht nur vorne, sondern gleichzeitig hinten bei ihrem Kumpel oder sogar bei sich selbst. Die eigene Nase hinten haben, ist für Hunde ein Akt der Selbsterforschung, Selbsterfahrung und Selbstverwirklichung. ‚Die Nase vorn haben’ ist also keine Stilblüte, sondern beruht auf genauer Beobachtung.
In einem heroischen Selbstversuch habe ich es unternommen, die Methode zur speziellen Selbsterfahrung bei Hunden exemplarisch auf den Menschen zu übertragen. Ergebnis: ein Bandscheibenvorfall und zwölfmal Physiotherapie.
Dass 2026 politisch ein gutes Jahr wird, ist nicht wahrscheinlich. Aber vielleicht wird es wenigstens besser als das Jahr 2027? In diesem Sinne: Alles Gute im neuen Jahr!

Der Schwöbel-BLOG am Samstag, 03.01.2025








