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„Das crazy“ Gemälde: Heidi Adrian
Formen, Feen und Dämonen. Musik für die Augen.
Hans-Peter Schwöbel
Unsere Freundin, Heidi Adrian, ist eine begabte Malerin. Obiges Bild nennt sie nach dem Jugendwort des Jahres 2025: „Das crazy“. Ob Jugendliche dieses Wort benutzen, sei dahingestellt. Es tut nichts zur Sache.
Scheinbar schiere Wellenbewegungen offenbaren einen Kosmos von Geistern, Göttern, Hexen und Dämonen.
Besonders komplex nehme ich die Figur in der Mitte rechts wahr. Da schaut mich eine Ziege an, eine Giraffe, ein Vogel. Große Fische wollen einander verschlingen. Ein grünbrauner Hund äugt nach Osten, oder ist es ein Wurzelmännchen, das einen Fisch uzt …
Wenn wir weiter über dem Bild schweben, sehen wir neben Vögeln und Fischen Dämonen, die von anderen Dämonen besessen sind.
Was fesselt uns an Göttern, Geistern und Dämonen? An Tieren? Das Humanoide, das Anthropomorphe. Heidi Adrian bietet uns Blicke in Spiegel, die uns bis zur Kenntlichkeit entstellen. Ihr Kosmos an Vorstellungen ist uferlos. Der Bildrand ist Fiktion, ist Sehhilfe, weil wir das Uferlose nicht aushalten.
Ist Heidi Adrians Bild abstrakt oder konkret? Es ist konkrete Poesie. „Poesie ist für mich ein Komplex von Qualitäten, die Bildnisse, Sprache, Musik, Film, Tanz, soziale Arrangements, Gesten, Speisen... aufweisen können: luzide, dicht, vibrierend, exakt, leicht, sinnlich, löst Assoziationen aus. Ein feines Gewebe aus Kraft und Strenge, Zärtlichkeit und Können. Poesie kann warm und dunkel sein und scharf und hell, wie ein Skalpell.“
(Hans-Peter Schwöbel: Wort. Bild. Poesie. Fotografie und Dichtung. Mannheim, 2023)
Paul Cézanne sagt: „Der Inhalt unserer Kunst liegt in dem, was unsere Augen denken.“ Dies gilt für den Künstler ebenso, wie für den Betrachter.
Der Schwöbel-BLOG am Samstag, 07.02.2026








