11 Jan

Paramilitärischer Neujahrsempfang?

Geschrieben von Prof. Dr. Hans-Peter Schwöbel

Der Schwöbel-BLOG am Samstag vom 04. Januar 2020 beginnt und schließt als Gebet. Ich wollte das Jahr mit positiven Gedanken beginnen.

Umso deutlicher will ich heute auf ein Übel eingehen, das wir so beim nächsten Jahreswechsel nicht mehr akzeptieren sollten: Das Neujahrs-Feuerwerk.

 

Auch für den Jahreswechsel 2019 – 2020 wird ein Umsatz an Knallkörpern von über 130 Millionen Euro in Deutschland gemeldet. In diesem Betrag sind wohl die Kracher, manchmal auch richtige Waffen, die illegal im Ausland erworben wurden, nicht enthalten. Was damit angerichtet wird, wissen wir bereits im Voraus so gut, dass wir die Nachrichten für den Morgen des 1. Januar noch im alten Jahr ziemlich exakt vorformulieren könnten, wenn auch nicht den genauen Ort der größten Katastrophe. Diesmal geschah besonders Schlimmes im Krefelder Zoo, wo dreißig Affen auf elende Weise zu Tode kamen und weitere verletzt und traumatisiert wurden. Alleine dieses von Menschenhand angerichtete Unglück müsste Grund genug sein zu sagen: Schluss jetzt! Der Preis für das bisschen „Spaßfaktor“ ist zu hoch!

Hinzu kommen hunderttausende von Sach- und Personenschäden und verängstigten und verstörten Tieren überall im Lande. Schadstoffemissionen, die denen von zwei Monaten Autoverkehr entsprechen und Gesundheit, Natur, Wetter und Klima schädigen. Was dieses Geballere in jeder Neujahrsnacht den tapferen Feuerwehrleuten und den Kräften in den Krankenhäusern zumutet, ist schlicht unverschämt.

Fridays-for-Future sehe ich kritisch. Darüber mehr in einem meiner nächsten Blogs. Aber, ich muss gestehen, dass ich von dieser Bewegung wenigstens einen deutlichen Effekt auf das Neujahrs-Feuerwerk erwartet hatte. Von wegen. Einmal mehr zeigt sich, dass es viel leichter ist, ganze Produktions- und Energiesysteme zu dekonstruieren und gleichzeitig andere (ökologisch höchst prekäre!) wie die Windkraft, dem Lande aufzuzwingen, als massenhaftes persönliches, sehr schädliches Verhalten von Menschen ökologisch produktiv und sozial emanzipativ zu überwinden. Auch dies zeigt, wie populistisch Klima- und Umweltpolitik in Deutschland ist.

Ist der „Spaßfaktor“ am Feuerwerk so wichtig, dass all die Schäden, Tragödien und Belästigungen in Kauf zu nehmen sind? Oder steckt hinter diesem verstockten Beharren auf einer schlechten Gewohnheit mehr als nur „Hauptsache, ihr habt Spaß!“?

Wahrscheinlich haben wir es auch mit Trotzreaktionen zu tun: Wenn wir schon unterm Jahr dauernd belehrt und zurechtgewiesen werden; wenn wir unterm Jahr das Maul halten müssen, um nicht in die rechte, die böse Ecke gestellt zu werden, dann wollen wir nicht auch noch leise ins neue Jahr huschen. Im Neujahrs-Feuerwerk könnte sich eine unterdrückte Wut austoben, ein Protest gegen Bevormundung durch Politik und Medien.

Was besondere Heftigkeit des Feuerwerks in bestimmten Quartieren angeht: Es könnte sein, dass Leute in Parallel-Milieus es gewaltig krachen lassen mit der Botschaft: Fürchtet Euch! Vor uns! Paramilitärischer Neujahrsempfang? Leipzig-Connewitz – zum Beispiel.

Der Schwöbel-BLOG am Samstag 11.01.2019